Verwaltungsleistungen im Überblick

Psychosoziale Prozessbegleitung - Beiordnung beantragen

Sie sind Opfer einer Straftat geworden und sollen als Zeuge oder Zeugin aussagen?

Dann können Sie sich von einer psychosozialen Prozessbegleiterin oder einem -begleiter helfen lassen. Bei diesen handelt es sich um besonders für den Umgang mit Opfern von Straftaten weitergebildete Fachkräfte. Sie dienen als Ansprechpersonen für alle Fragen zum Ablauf des Strafverfahrens und können Sie vor allem zu Vernehmungen bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder bei Gericht begleiten. Darüber hinaus können sie Ihnen aber auch weitere Hilfen wie zum Beispiel Therapien und psychologische Beratung vermitteln.

Psychosoziale Prozessbegleitung hat das Ziel, die individuelle Belastung von Opfern zu reduzieren und die Aussagetüchtigkeit als Zeuge im Strafverfahren zu fördern.

Zuständige Stelle

das Gericht, bei dem das laufende Verfahren anhängig ist

Im Ermittlungsverfahren, also vor Erhebung der öffentlichen Klage, entscheidet das Amtsgericht am Sitz der für das zugrundeliegende Ermittlungsverfahren zuständigen Staatsanwaltschaft über Ihren Antrag.
Ist die öffentliche Klage schon erhoben, ist für Ihren Antrag das mit dem Strafverfahren befasste Gericht zuständig.

Sie können den Antrag aber auch bei der Polizei oder der zuständigen Staatsanwaltschaft einreichen. Diese Antrag annehmenden Stellen leiten Ihren Antrag an das zuständige Gericht weiter.

Voraussetzungen

Sie sind Opfer einer Straftat geworden und wurden dadurch verletzt.

Als Opfer einer Straftat haben Sie Anspruch auf Psychosoziale Prozessbegleitung. Sie müssen die dafür entstehenden Kosten in der Regel selbst tragen. Nur wenn das zuständige Gericht Ihnen eine psychosoziale Prozessbegleiterin beziehungsweise einen -begleiter beiordnet, entstehen Ihnen keine Kosten.

Einen Anspruch auf eine solche Beiordnung haben Kinder und Jugendliche, die Opfer schwerer Gewalt- und Sexualdelikten geworden sind.

Unter Umständen können auch Erwachsene, die Opfer schwerer Sexual- oder Straftat geworden sind, und bei (versuchten) Tötungsdelikten auch Angehörige der Opfer eine psychosoziale Prozessbegleiterin beziehungsweise einen -begleiter beigeordnet bekommen.

Um als Erwachsener eine Beiordnung zu bekommen, muss eine besondere Schutzbedürftigkeit des Opfers vorliegen. Dies ist beispielsweise in der Regel der Fall bei

  • Personen mit einer Behinderung,
  • Personen mit einer psychischen Beeinträchtigung,
  • Betroffenen von Sexualstraftaten,
  • Betroffenen von Gewalttaten (mit schweren physischen, psychischen oder finanziellen Folgen oder längerem Tatzeitraum wie zum Beispiel bei häuslicher Gewalt oder Stalking),
  • Betroffenen von vorurteilsmotivierter Gewalt und sonstiger Hasskriminalität und
  • Betroffenen von Menschenhandel.

Verfahrensablauf

Sie müssen die Beiordnung einer psychosozialen Prozessbegleiterin beziehungsweise eines -begleiters beantragen. Das können Sie formlos bei dem zuständigen Gericht tun.

Das Gericht wählt die beizuordnende, psychosoziale Prozessbegleiterin beziehungsweise den -begleiter aus. Sie können in Ihrem Antrag aber schon eine psychosoziale Prozessbegleiterin beziehungsweise einen -begleiter vorschlagen. Eine Liste aller psychosozialen Prozessbegleiter im Baden-Württemberg ist auf der Internetseite des Oberlandesgerichts Stuttgart unter der Rubrik „Service“ und dem Stichwort „Psychosoziale Prozessbegleitung“ eingestellt.

Erforderliche Unterlagen

keine

Frist/Dauer

keine

Je früher Sie den Antrag stellen, desto früher erhalten Sie Unterstützung. Sinnvoller Weise reichen Sie den Antrag ein, sobald Sie zum ersten Mal Kontakt mit der Polizei aufnehmen.

Kosten/Leistung

keine, wenn Ihnen das zuständige Gericht eine psychosoziale Prozessbegleiterin beziehungsweise einen -begleiter beiordnet

In allen anderen Fällen tragen Sie die Kosten selbst.

Freigabevermerk

Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit den fachlich zuständigen Stellen. Das Justizministerium hat dessen ausführliche Fassung am 13.06.2018 freigegeben.

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